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Die Luftschrauben-Prüfanstalt
Die Anlage befand sich auf dem Gelände der k.u.k. militärischen Zentralanstalt in Fischamend. Mit der
Errichtung ist der Name Prof. Richard Knoller, der am 25. April 1869 in Wien
geboren wurde, unmittelbar verbunden. In Österreich wurde durch Ministerialerlaß vom 6. Juni 1909 an der Technischen
Hochschule eine "Lehrkanzel für Luftschifffahrt und Automobilwesen" gegründet.
Sein umfangreiches Fachwissen und seine großen Erfahrungen auf beiden Gebieten führten dazu, daß er
am 30. November 1909 Vorstand dieser Lehrkanzel wurde. Bereits nach seiner Ernennung entstanden 1910 die ersten
Entwürfe für ein "Aeromechanisches Laboratorium". Kernstück dieser Anlage war ein Windkanal, in dem Flugzeugteile
in Naturgröße oder als Modell untersucht wurden.
Die Errichtung der Prüfanlage wurde am 13. Mai 1916 vom K. u. k. Kriegsministerium genehmigt. Die Prüfanlage ist
in einer Halle aufgebaut, die aus einem Holzgerüst mit Wänden aus Holzlatten besteht. Das Aufnahmegestell
des Prüfpropellers ist ein konisch größer werdender Leitapparat, der sich unmittelbar vor dem Meßraum befindet.
Dieser Leitapparat hing an Seilen von der Decke herab, die an einer Eisenkonstruktion befestigt waren.
Die sehr stabile Haltevorrichtung war zusätzlich seitlich abegstützt und fest mit dem Boden verankert.
Die Aufnahme der Seile an der Haltevorrichtung geschah durch Wippen, die kippbar gelagert waren.
Es befanden sich drei Wippen an dieser stabilen Stahlvorrichtung, um eventuell die Drehmomente des
laufenden Propellers messen zu können. Über die einzelnen Kipphebelarme könnte durch Meßdosen die
Druckkraft ermittelt werden.. Vermutlich handelte es sich um eine bewegliche Lagerung des Leitapparates, die
dafür benötigt wurde, den Propeller genau zu justieren.
Der Antrieb für die Luftschraube könnte ein Elektromotor mit einer Leistung von 360 PS
gewesen sein, der auf einer gabelförmigen Halterung moniert war. Die Düse war im vorderen Teil trichterförmig ausgebildet
und kann im hinteren Teil der Längsachse auf Schienen verschoben werden. Es wird angenommen, daß die Düse
bei Probeläufen den Propeller umschloß und in dieser Position die Messungen von Geschwindigkeit, Druck
sowie die Schubkraft bei konstanten Drehzahlen vorgenommen wurden.
Obwohl damals hauptsächlich Propeller mit einer geschwungenen Propellervorderkante in Verwendung waren, handelt es sich
bei dem vorliegenden Bildmaterial um Luftschrauben mit gerader Vorderkante, die nachweislich in Fischamend
hergestellt wurden.
Für die österreichische Luftfahrtgeschichte und für die gesamte allgemeine Luftfahrt ist dieser Windkanal sehr
bedeutungsvoll. Prof. Richard Knoller hat leider nur wenig veröffentlicht, trotzdem ist er unbestritten der"Begründer der Luftfahrtwissenschaft in Österreich".